Das kontemplative Gebet gehört schon seit vielen Jahren zu einem wesentlichen Teil meines geistlichen Lebens. Seit dieser Zeit plane ich einmal im Jahr sieben, bzw. zehntägige Exerzitien. Nun hatte ich für das Jahr 2020 eine dreimonatige Sabbatzeit geplant. In diese hinein wollte ich eine 30tägige Exerzitienzeit legen. Nur etwas für Exoten oder ganz Fromme? Nein, eher ein Abenteuer auf das man sich durchaus einmal im Leben einlassen kann. Ich hatte mich entschlossen diese Exerzitien alleine, aber mit einem täglichen Begleitgespräch durchzuführen
Meine Motivation: 30 Tage, mein Zeit, mich selbst Gott zu schenken ohne Agenda oder etwas Bestimmtes erreichen zu wollen oder zu müssen. In der Stille, im Gebet, wach, aufmerksam und interessiert da zu sein, für das was von Gott her kommt.
In der Stille, im Schweigen vor Gott, wurden die inneren Gedanken, Emotionen und Stimmen laut, die im Trubel des Alltags nur am Rande oder gar nicht zu hören sind. Die ersten Tage waren davon geprägt, dass ich körperlich müde und noch ganz im Leistungsmodus unterwegs war. Es dauerte einige Tage, bis ich in einer gelasseneren inneren Haltung da sein konnte.
Die Frucht dieser Zeit? Oder was mich viele fragen, „was bringt´s so viel Zeit zu investieren?“ Viele überraschende und unerwartete Gottesbegegnungen. Eines Nachts beim Gebet, es ist alles dunkel um mich herum, nur eine Kerze brennt und dann die Wahrnehmung von Gottes Gegenwart im Raum – unbeschreiblich.
Ich durfte in dieser Zeit auch einiges über mich selbst erkennen. Neben der Erfahrung eigener Grenzen, wurden auch „Schattenseiten“, die mir bisher verborgen waren bewusst und damit auch meine Versöhnungsbedürftigkeit. Dabei zu erleben, wie Jesus da ist und mit mir durch diesen Prozess und die einzelnen Phasen geht, erweckte in mir eine tiefe Dankbarkeit, Sehnsucht aber auch Ehrfurcht vor meinem großen Gott. (AE)
Vor allem der Tagesrückblick ist mir ein wichtiger Begleiter geworden. Ein kurzes Innehalten am Abend. Ich habe jetzt Zeit. Richte mich aus. Gott ist da, bei mir. Und in seiner Gegenwart nehme ich die Resonanz dieses Tages wahr. Wofür bin ich dankbar? Was ist gelungen, was weniger? Was will sich versöhnen? All dies darf da sein und wird Gott hingehalten. Ein Vater unser. Amen.